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Die Stock und Scherenberger Hauptgrube und sein Erbstollen

Nach Angaben von Balthasar Scherenberg wurden um 1450 die Kohlevorkommen am Schever Busch entdeckt. Ist dies die »Wiege des Ruhrgebiets«?!
Es scheint die älteste genau lokalisierbare Kohlefundstätte im Ruhrgebiet zu sein, die später als die Gruben von Stock und Scherenberg bekannt wurde.

Bei der Stock und Scherenberger Hauptgrube handelt es sich um eine der ältesten Zechen des Ruhrgebiets und um die älteste, deren weitere Entwicklung kontinuierlich ablief. Um 1737 war Sie neben den Sieper & Mühler Gruben größter Bergwerksbetrieb im Märkischen. Noch 1805 war Sie ergiebigste und reichhaltigste Zeche der Grafschaft Mark. 1745 musste der zweite, der Tiefe Stock und Scherenberger Erbstollen angesetzt werden, um weiteren Kohleabbau und die Lebensgrundlage 100er Familien weiter garantieren zu können.  Dieser Erbstollen, der zur Wasserlösung,  Bewetterung und weiteren Kohleabbau zwingend nötig war, war seiner Zeit zweifelsfrei der modernste des gesamten Ruhrbergbaus.

Die Anfänge der zugehörigen Zeche Stock und Scherenberger Hauptgrube lagen in der einfachen Abbauform des Kohlegrabens in kleinen Schächten (Pütten) im Gebiet von Sprockhövel-Scheven. Der Name der Zeche geht auf die beiden Güter "In den Stocken" und "Scherenberg" zurück, auf denen die beiden Inhaber Familien saßen.

Im Jahr 1547 wurde der gemeinsame Besitz aufgeteilt, darunter auch die Kohlengruben. Die eine Grube war "In den Dyckerdellen", die andere " In den Stocken". Dabei wurde aber festgelegt, dass der Kohleabbau weiterhin gemeinsam erfolgen sollte.

In den folgenden Jahrzehnten wurden mehrere Abbaurechte an beide Familien verliehen, so dass die Rechtslage zunehmend strittig wurde. Erst im Jahr 1704 wurde die Situation durch einen Vergleich bereinigt. Die Flöze Feldgesbank und Eggerbank gehörten zur Stöcker Hauptgrube. Die Flöze Gertgesbank und Lehnbank unterhalb der Sohle des Stock und Scherenberger Erbstollens gehörten weiterhin zur gemeinschaftlichen Zeche.

In der zweiten Hälfte des 18 Jhd. sind von den Stock und Scherenberger Gewerken (Besitzer) alle Abbaurechte in der Hasslinghauser Mulde erworben. Die Zeche stieg in der Folgezeit zu einer der beiden größten Zechen des Ruhrgebiets auf. Ab 1746 wurde mit dem Vortrieb des Tiefen Stock und Scherenberger Erbstollens begonnen, der der Grube eine deutlich größere Abbautiefe gestattete.
Mit der Auffahrung dieses Wasserlösungsstollen erhielt man eine seigere (senkrechte) Bauhöhe der anstehenden Kohleflöze von bis zu 100m.

Ab 1821 wurde die Förderung aus den beiden Flözen zusammengelegt. Betriebene Schächte: Gerhard, Rosa, Concordia, Max, Carl, Felix, Jahn, Clara, Heinrich und Abraham. Ab 1845 wurde der Schacht Beust als Tiefbau- und Hauptförderschacht abgeteuft, der bis zum Ende der Bergbautätigkeit seine Bedeutung behalten sollte und mit über 500m Teufe der Tiefste in weitem Umkreis wurde.
1846 wurde das Feld der stillgelegten Zeche Gabe Gottes übernommen.

Im Jahr 1853 endet die zweigeteilte Geschichte der Stock und Scherenberger Gruben in der Konsolidation zur Zeche Vereinigte Stock und Scherenberg.

Erst 1870 löste ein Querschlag des Dreckbänker Erbstollen, die Fortsetzung des Schlehbuscher Erbstollens, die Grubenbaue noch einmal 50m tiefer und löste damit den Tiefen Stock und Scherenberger Erbstollen ab. Über 125 Jahre waren seit dem bergamtlichen Befehl, den Bau des Stock und Scherenberger Erbstollen "vorgeschlagenermaßen" durchzuführen nun schon vergangen.

Heute liegen die Anfänge des Tiefen Stock und Scherenberger Erbstollens bereits 275 Jahre zurück und diese eindrucksvolle Keimzelle des Ruhrbergbaus kann nach Terminabsprache individuell besucht und befahren werden.

Daten: Länge bis zu den Grubenbauen Flöz Mausegatt Nordflügel der Zeche Stock und Scherenberg 2,3 km mit 17 Lichtlöchern.
Forsetzung dann weiter bis zum Flöz Neuflöz im Südflügel der Herzkamper Mulde.
Endlänge 3 km mit 22 Lichtlöchern

Stock & Scherenberger Hauptgrube (Sprockhövel-Haßlinghausen)

(Stock & Scherenberger Hauptgruben bzw. Zechen)

1547    erste Erwähnung als Kohlenberg In der Dykerdellen bzw. Kohlenberg In den Stocken

ab 2. Hälfte des 17.Jahrhunderts auf den Stock und Scherenberger Gruben Übergang vom Abbau in „Kohlpütten“ auf Stollenbetrieb mit den tonnlägigen Göpelschächten Petrus, Adam, Cathari­na, Caroline und anderen

1704    28.5. Vergleich zwischen Scherenberg und Stock (s. auch Scherenberg bzw. Stöcker Haupt­grube) bezüglich Abgrenzung des Abbaus in den einzelnen Flözen: unter der Jutermanns-Stollnsohle Abbau durch Stock & Scherenberger Hauptgrube sowie Stöcker Hauptgrube

um 1737 neben den Sieper & Mühler Gruben größter Bergwerksbetrieb im Märkischen: Jahresförde­rung ca. 1000 t, ca. 10 B (Beschäftigte)

ab 2. Hälfte des 18.Jahrhunderts fast alle Abbaurechte in der Haßlinghauser Mulde erworben, genannt werden die tonnlägigen Göpelschächte Lucas, Sophia, Johann Friedrich, Justus, dazu 1 seige­rer Wetterschacht sowie etliche Wetterüberhauen, verliehene Flöze: Lehnbank, Gertgesbank, Eggerbank, Feldgesbank (Feldgesbänker Striepen und Lehnbänker Striepen)

1781    eine der größten Zechen

ca. 1790 erste Wasserlösung durch Tiefen Stock und Scherenberger Erbstollen

1796    genannt wird Stock & Scherenberger Tiefster Stollen, Monatsförderung der 4 Gruben Lehn­bank, Gertgesbank, Eggerbank und Feldgesbank: zusammen 9311 Ringel (698 t), Gesamt­förderung aller zugehörigen Gruben: 171763 Ringel (12882 t), 60 B

1805    ergiebigste und reichhaltigste Zeche der Mark

1806    Monatsförderung aller zugehörigen Gruben: 953 t

1808    Monatsförderung aller zugehörigen Gruben: 645 t

1821    Zusammenfassung von Gertgesbank und Lehnbank, Abbau an den Schächten Gerhard, Rosa und Versuchsschacht, Hauptschacht Concordia im Teufen

1825    Luftschacht und Lichtloch 22 in Betrieb, Inbetriebnahme Schacht Concordia (zweispänniger Pferdegöpel, auch Förderschacht für Stöcker Hauptgrube), zweite Wasserlösung durch den Schlebuscher Erbstolln

1830    Schächte Concordia und Max in Betrieb, erste Bremsberge, 5893 t

1834    Stillegung Schacht Concordia

1835    Schächte Max, Carl und Felix in Betrieb, 8177 t

1840    Schächte Jahn und Clara in Betrieb, 29875 ½ preußische Tonnen

1844    Verleihung Längenfeld Theodor

1845    Schächte Jahn und Heinrich in Betrieb, Teufbeginn seigeren Tiefbauschacht Beust (in Sirren­berg, Rasenhängebank: +222 m NN), 9667 t, 40 B

1846    Schacht Beust: Erreichen des Niveaus der Stock & Scherenberger Erbstollens = 33 Lachter und dort Ansetzen Wettersohle

1847    Schächte Jahn, Heinrich und Abraham in Betrieb, Schacht Beust: Ansetzen Tiefbausohle =
48 ½ Lachter und Inbetriebnahme Dampffördermaschine, erste Kohlen aus dem Tiefbau

1848    22.7. Verleihung des mit dem Stock & Scherenberger Erbstollen durchfahrenen Längenfeldes Schwelm

1850    11981 t, Ausbeute

1852    Betrieb, Vortrieb Erbstollen, zur Berechtsame gehören: Gertgesbank, Lehnbank, Gabe Got­tes, Schwelm, Theodor, Stock & Scherenberger Erbstollen u.a.

1853    9.3./3.5.1855 Konsolidierung zu Ver.Stock & Scherenberg

Stock & Scherenberger Erbstollen (Sprockhövel-Hiddinghausen)

(Stock & Scherenberger Stolln, Stock & Scherenberger Tiefer Stollen)

1645    16.10. Verleihung Erbstollengerechtigkeit an seinen höher gelegenen Vorgänger (Krefting Stollen)

1744    erneute Verleihung des Erbstollenrechtes

1747    Anlegung des Erbstollens, Mundloch (+146 m NN) ca. 200 m südlich der Brücke Hidding­hauser Straße über die Autobahn östlich vom Pleßbach (früher Kreftinger Bach) am Wald­rand, Auffahrung nach Süden zur Lösung der Haßlinghauser Mulde, Endlänge: rd. 2500 m, gelöste Bauhöhe: bis max. 100 m, mehrere Lichtlöcher

1754    noch keine Lösung der Berechtsamen wie Nachtigall (= Nachtigall im Braunsberge), obwohl „... bereits 8 Jahre gearbeitet“

1756/57 Vortrieb

1784    Lichtloch 18 genannt

1796    immer noch Vortrieb nach Süden

1797    Vortrieb am Lichtloch 19

1800    Vortrieb

1801    Teufen Lichtloch 20

1805    Vortrieb

1807    Teufen Lichtloch 21 (122 Fuß Teufe)

1810    Vortrieb

1818    Lösung der Berechtsamen Leveringsbank und Oberleveringsbank sowie nachfolgend Canin­chen, Nachtigall (1822), Gabe Gottes (1823), Dreckbank (1824) und Neuglück (1826)

1831    Vortrieb

1850    gute Ausbeute

1852    zu Stock & Scherenberger Hauptgrube gehörend


Bilder:
1. Filigrane Stollenmauerung unter einem Lichtloch
2. Karte: Niemeyer 1789 mit damaligem Baufortschritt. Stollenmundloch oben rechts, Grubenbaue unten links

Quellen:
Joachim Huske: Die Steinkohlenzechen im Ruhrrevier. 3. Auflage,  Selbstverlag des Deutschen Bergbau-Museums,  Bochum 2006
Gesammeltes Archivmaterial Bergbauaktiv Ruhr e.V.
http://www.ruhrkohlenrevier.de
Wikipedia
Eigene Forschungsergebnisse